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Zu den Wurzeln

🇩🇪 Sportplatz Am Dohlenstein
Datum: 31.10.2018 (14:30 Uhr)
Land: Deutschland (Kahla)
Wettbewerb: Landesfreundschaftsspiel (Benefizspiel Brandopfer)
Hierarchie: n/a
Spiel: BSG Chemie Kahla – FC Carl Zeiss Jena
Ergebnis: 0:14
Zuschauer: 1.350
Kapazität: 6.000 (nur für 3.000 zugelassen)

Schlagen wir mal fiktiv im Duden nach. Muddastadt: Beknacktes, von Radio Energy exzessiv wiedergekäutes Synonym für Berlin. Mutterstadt (1): Gemeinde in Rheinland-Pfalz. Mutterstadt (2): Geburtstadt der leiblichen Mutter. Von allen drei Wortbedeutungen messe ich nur Letzterem wirkliche Geltung bei. Mein ganzes Leben lang kannte ich Kahla in Thüringen nur von sporadischen Erzählungen meiner Verwandten. 30 Jahre sollte es dauern, bis ich endlich meine Wallfahrt antrat. Denn eines, so wuchs die Idee in mir zum Entschluss, war klar: Zumindest einmal musste ich den Ort besuchen, an dem meine Wurzeln liegen.

Nachdem sich eine Thüringen-Tour (u.a. mit Ziel Kahla) im September mit den Jungs aufgrund beruflicher und privater Verpflichtungen ihrerseits zerschlagen hatte, nahm ich ausgerechnet eine Nachricht über ein Schreckensereignis zum Anlass, endlich in die Kleinstadt an der Saale aufzubrechen. Wenige Tage vor dem Reformationstag am 31. Oktober las ich bei fussball.de von einem kurzfristig anberaumten Benefizspiel zwischen der BSG Chemie Kahla und dem Drittligisten FC Carl Zeiss Jena, mit dem Spenden für die Opfer eines verheerenden Wohnhausbrands im Oberbachweg gesammelt werden sollten.

Fußball am Feiertag, die längst fällige Kahla-Reise und ein noch nicht eingelöster FlixBus-Gutschein. Drei Argumente, die ich nicht ausschlagen konnte. Auch die ungünstige Verbindung in aller Herrgottsfrüh um 04:25 Uhr vom ZOB in Berlin hielten mich nicht davon ab, diese Nacht- und Nebelaktion durchzuziehen. In Jena ca. 5 Stunden später mit einem Kissen und ein paar Stullen angekommen, musste ich nur noch eine knappe Viertelstunde mit dem Regio zurücklegen, um letztlich in Kahla zu landen. Als ersten Tagesordnungspunkt hatte ich mir die Entdeckung der Altstadt vorgenommen, die an vielen Ecken mit kunstvoll restaurierten Fachwerkhäusern und zierlichen Gassen erstrahlte.

Obwohl das Wohnhaus meiner Mutter nicht mehr existiert, darüber hatte ich mich schon im Vorfeld schlau gemacht, wollte ich zumindest das Fleckchen Erde unbedingt besichtigen, wo es einmal gestanden hatte. Kurz davor kreuzte ein älterer Herr meine Bahn. Weil er für mich den Anschein erweckte, hier ortskundig zu sein, sprach ich ihn direkt auf das sogenannte Haus der Jugend an. Dies sei bis zum Abriss nach der Wende ein Freizeitzentrum gewesen, wo sich Teenager viele verschiedene Interessen, u.a. bei Fotografie und Technik, ausleben konnten. Zudem wurde das Gebäude in der Nähe des Marktes und der Sankt-Margareten-Kirche für Tanzabende und andere Feierlichkeiten genutzt.

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Dort, wo meine Mutter aufwuchs, muss also ganz schön was losgewesen sein. Diese Spuren der Vergangenheit sind leider längst verwischt. Heute befindet sich an dieser Stelle die Diakonie der Stadt. Auf dem Hinterhof parken mittlerweile Autos. Weitere Auskünfte dazu erhoffte ich mir bei der Touristeninfo – leider vergeblich. Also weiter im Stoff. Ein kurzer Streifzug entlang der Stadtmauer und der ehemaligen Pozellanfabrik führte mich zu einem Wahrzeichen von Mutter Natur, dem Dohlenstein. Der 350 Meter hohe Kalkfelsen formte in den vergangen Jahrhunderten durch zahlreiche Abbrüche immer wieder auf den Lauf der Saale. Mich packte am Fuße des kleinen Berges sofort die Abenteuerlust.

Abseits der gewohnten Wanderroute kraxelte ich am Westhang über schmale, steinige und wendige Trampelpfade durch den Baumbestand bis zur Aussichtsplattform hoch, wo ich bei bestem Herbstwetter den herrlichen Ausblick über das Saaletal auskostete. Doch der Aufstieg war hier noch nicht zu Ende. Bei paar Hügel weiter gen Osten machte ich mich noch auf zur Leuchtenburg, die seit dem 13. Jahrhunder besteht und dem Adelsgeschlecht der Wettiner als Verwaltungssitz und Refugium bei Kriegen diente. Später wurde es als Armen-, Irren- und Zuchthaus genutzt. Heutzutage finden die Gäste hier ein Museum und eine Porzellanausstellung vor.

Einige ließen sich zudem die Gelegenheit nicht entgehen, mit Wünschen beschriebene Teller von einem Steg auf den Burgberg herunterzuwerfen, was die gastgebende Stiftung als kleinen Marketing-Gag anbietet. Ich nahm mir hingegen noch einen Rundgang sowie die Besteigung des Burgfrieds vor, ehe ich der Festung nach einer knappen Stunde den Rücken kehren musste. Die Zeit näherte sich dem Anstoß des Spiels am Fuße des Dohlensteins, wo sich bei meiner Ankunft bereits über 1000 Zuschauer auf dem Sportplatz verstreut hatten. Da sämtliche Einnahmen dieses Volksfestes an die feuergeschädigte Familie gingen, ließ auch ich mich nicht lumpen und spendete einen Fünfer Eintritt, eine Bratwurst und ein Bier.

In dem ganzen Trubel entzückten nicht nur die kulinarischen Freunde. Sogar einen neuen Haarschnitt und Fanartikel vom FCZ konnte man sich verpassen lassen. Zudem hatte Jena sogar extra Trikots angefertigt, die von denen jedes einzelne als Unikat – wie auch der Spielball – unter den Meistbietenden versteigert wurden. Es sollte also ein beträchtliches Sümmchen zusammengekommen sein. Dafür sorgten auch die Jungs auf dem Rasen, die auf der imposanten Bühne vor knapp 1400 Zuschauern und dem Dohlenstein nach Lust und Laune knipsten. Jedes Tor war mit 120 Euro dotiert. In diesem sportlich ungleichen Duell gelangen dem Drittligisten letztlich 14 Stück. Die einstellige Anzeigetafel kollabierte für die gute Sache.

Im Anschluss nahm ich noch den El Plastico zwischen Leipzig und Hoffenheim im DFB-Pokal mit, der mit etwas über 20.000 Leuten auf den Rängen kein Publikumsmagnet war. Im Gästeblock verfolgte ich den Support des harten TSG-Kerns von ca. 150 Mann plus etwa weitere 150 Schalträger im Umkreis als Fremdkörper. In Anbetracht der Historie und Images beider Clubs haftete der Atmosphäre irgendwas Gruseliges und Befremdliches an. Das Stadion an sich mit seiner überlappenden und gewölbten Dachkonstruktion konnte man sich aber schon mal antun. RB gluggerte beim Warm-Up wohl noch ihre Aufputschbrause und fuhr die müden Hoffenheimer mit 2:0 an die Wand. Von mir aus. Ich trudelte schließlich um 4:40 Uhr wieder am ZOB ein. Schnell nach Hause duschen und ab zur Arbeit. Diese Aktion hat sich gelohnt.